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Lamborghini Espada GT 2

Der Lamborghini Espada ist ein viersitziges Coupé. Es wurde von 1968 bis 1978 von Lamborghini in Italien gebaut. Der Espada verband Lamborghinis Zwölfzylindermotor mit einer eigenständigen Fließheckkarosserie, die als Meilenstein des Automobildesigns gilt. Neben dem Countach ist der Espada das erfolgreichste Modell des Unternehmens. Die Modellbezeichnung Espada ist spanisch und bezieht sich auf den Degen, den der Matador beim Stierkampfbenutzt.


Modellgeschichte

Der werksintern als Tipo 108 bezeichnete Espada war nach dem 350 GT/400 GT, dem Islero und dem Miura war es das vierte Modell der 1963 gegründeten Marke. Als erster voll viersitziger Gran Turismo war er das Ergebnis von Ferruccio Lamborghinis Bemühungen, eine breit aufgestellte Modellpalette anzubieten. Der Espada entstand in drei Serien. Insgesamt produzierte Lamborghini 1217 Exemplare des Coupés.
Die Produktion des Espada wurde 1978 eingestellt, als sich Lamborghini in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand. Zu dieser Zeit hatte Lamborghini hohe Schulden bei Zuliefern, unter anderem bei Bertone, wo die Karosserie hergestellt wurde. Lamborghini konzentrierte sich in der Folgezeit auf den Countach, der – anders als der Espada – nahezu vollständig im eigenen Werk hergestellt wurde und Gewinn abwarf.

Karosserie

Besonderes Merkmal des Espada-Hecks: senkrecht stehende zweite Heckscheibe
Die Karosserie des Espada wurde von Bertone entworfen. Ausführender Designer war Marcello Gandini. Das Design ist eine Weiterentwicklung zweier Entwürfe, die Bertone 1967 der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. In vielen Darstellungen wird Bertones Konzeptfahrzeug Lamborghini Marzal als unmittelbarer Vorgänger des Espada genannt. Tatsächlich hat der Espada mit diesem Mittelmotorcoupé, das über großflächig verglaste Flügeltüren verfügte, nur das seitliche Profil gemein. Deutlich größere Ähnlichkeit besteht zum Bertone Pirana, einem Frontmotorcoupé, das auf der Basis des Jaguar E-Type entstanden war. So wurde die Karosserie des ersten Espada-Prototyps auf der Holzform des Pirana gedengelt.
Der Espada ist ungeachtet seiner Höhe von nur 118 cm ein vollwertiger Viersitzer. Ein besonderes Gestaltungsmerkmal ist die flach nach hinten verlaufende Heckscheibe, die zugleich als Kofferraumklappe dient. An ihrem Ende ist eine senkrecht stehende zweite Heckscheibe untergebracht, um die Sicht nach hinten zu erhöhen. Ein ähnliches Gestaltungsmerkmal zeigte sich später beim – ebenfalls von Gandini entworfenen – Maserati Khamsin, aber auch beim Honda CRX und beim Citroën XM.
Die Karosserie bestand aus Stahlblech, lediglich die Motorhaube war aus Aluminium gefertigt.

Technik

Der Lamborghini Espada kam im gleichen Jahr auf den Markt wie der Lamborghini Islero, die Technik beider Modelle ist zu einem großen Teil identisch. Der Espada war ursprünglich mit einem 239 kW (325 PS) starken Zwölfzylinder-V-Motor mit 4-Liter Hubraum ausgerüstet. Er hatte Einzelradaufhängung und 4 Scheibenbremsen. Die meisten Espada waren mit einem Schaltgetriebe versehen. Er wurde aber auch mit einem der ersten Automatikgetriebe angeboten, das in der Lage war, das Drehmoment eines großen V12-Motors zu verkraften. Es hatte eine ungewöhnliche Getriebeauslegung mit den drei Stufen: Fahrt, 1 und Rückwärts.

Produktionsprozess

Die Fertigung des Espada war zu einem hohen Anteil fremdvergeben. Das Chassis und die Rahmenkonstruktion wurde bei der Carrozzeria Marchesi in Mailand hergestellt, die Karosserie entstand bei Bertone in Turin. Erst nachdem Bertone die Karosserie auf den Rahmen gesetzt und die Inneneinrichtung eingebaut hatte, wurden die Fahrzeuge nach Sant'Agata Bolognese transportiert, wo Lamborghini-Mechaniker den Motor, das Getriebe und die Aufhängung installierten.[10].[9]

Modifikationen

Der Espada wurde 1968 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt.
Während seiner zehnjährigen Produktionszeit war der Espada einigen Veränderungen unterworfen. Drei verschiedene Modelle wurden insgesamt produziert. Dies waren der S1 (1968-1970), der S2 (1970-1972) und der S3 (1972-1978). Jede Modellgeneration bekam einen verbesserten Motor. An der äußeren Form wurden nur wenige Details geändert. Die Innenausstattung veränderte sich mit jedem Modellwechsel dramatisch. Ein völlig neues Armaturenbrett und Lenkrad wurde in den S2 eingebaut. Die Innenausstattung wurde für den S3 ein weiteres Mal verändert. 1970 wurde eine Servolenkung als Sonderausstattung angeboten. Ab 1974 wurde das automatische Getriebe angeboten. 1975 wurden stoßabsorbierende Stoßstangen eingeführt, um die Sicherheitsbestimmungen in den USA zu erfüllen.

Abwandlungen

„Viertüriges Fließheckcoupé“ auf Espada-Basis: Lamborghini Faena

In den frühen 1970er-Jahren zeichnete Bertone eine viertürige Version des Espada; eine Serienproduktion ergab sich jedoch nicht. 1978 konstruierte Pietro Frua auf der Grundlage eines verlängerten Espada-Chassis den viertürigen Lamborghini Faena, von dem ein Exemplar hergestellt wurde. Frua und Lamborghini stellten den Faena 1978 und 1980 öffentlich aus. Eine Serienproduktion kam jedoch auch hier nicht zustande. Der Faena existiert noch.


Technische Daten

Motor - V12-Motor mit 60° Bankwinkel, vorn eingebaut, Block und Zylinderkopf aus Leichtmetall, nasse Laufbuchsen

Hubraum - 3929 cm³

Bohrung × Hub - 82 × 62 mm

Ventilsteuerung - Tassenstößel, 2 oben liegende Nockenwellen je Zylinderbank, Antrieb über Kette

Verdichtung - 9,5:1

Vergaser - 6 Weber-Doppelvergaser

Leistung - 239 kW (325 PS) bei 6500/min (ab 1970: 257 kW (350 PS) bei 7500/min)

Drehmoment - 374 Nm bei 4500/min (ab 1970: 392 Nm bei 5500/min)

Kraftübertragung - Hinterradantrieb, voll synchronisiertes Lamborghini-Fünfganggetriebe, Lamborghini Differenzial, Achsantrieb 4,5:1

Fahrwerk 

Vorne & Hinten - Doppel-Dreieckslenker und Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator

Lenkung - ZF Rollenlenkung, ab 1970 auf Wunsch mit Servounterstützung (ab 1973 Serie), 4,3 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag

Bremsen - Zweikreisbremssystem mit Bremskraftverstärker

Vorne - Girling-Scheiben, 300 mm Durchmesser

Hinten - Girling-Scheiben, 280 mm Durchmesser

Felgen/Reifen - 7J×15 Zoll Leichtmetallräder, Zentralverschluss mit Flügelmutter; Pirelli Cinturato CN 72 205 VR 15

Karosserie - Viersitziges, zweitüriges Coupe in Stahlblech von Bertone

Abmessungen

Länge - 4670 mm

Radstand - 2650 mm

Spurweite - 1490 mm

Breite - 1820 mm

Höhe - 1190 mm

Leergewicht - 1480 kg

Fahrleistungen

Vmax - 245 km/h

0–100 km/h - 6,5 s

Stückzahl - 1217 Exemplare